Meine Wunschgeburt nach zwei Kaiserschnitten. Und das, was davon übrig blieb.

Vorwort.
Ich habe ein wenig gebraucht, um diese Zeilen zu verfassen.
Erst einmal, weil seit der Geburt bei uns sämtliche Viren und Bakterien eingezogen sind und ständig einer der drei Kids – oder gleich alle auf einmal – krank waren. Als Mama mit drei Kindern überwiegend alleine zu sein, macht es nicht unbedingt einfacher, Zeit fürs Schreiben zu finden. Aber so langsam spielt sich alles ein und auch ich finde in einen Alltag und in eine Art Routine zurück.
Außerdem habe ich wohl diese Zeit gebraucht, um über unsere Geburt zu berichten. Ich musste dieses Erlebnis erst einmal selber realisieren und auch verdauen. Ich habe mir so sehr gewünscht, spontan zu entbinden und dass es am Ende wirklich geklappt hat, habe ich wohl insgeheim immer in Frage gestellt. Deshalb war ich auch so überrascht davon.
Also ja, ich habe spontan entbunden, nach zwei Kaiserschnitten. Und das ist unsere Geschichte:

Wie wird es wohl werden, wenn es losgeht? Das habe ich mich die ganze Schwangerschaft über immer wieder gefragt. Habe mir viele Szenarien überlegt und sie gedanklich durchgespielt. Wie ich mich genau auf die Geburt vorbereitet habe, könnt ihr übrigens im Beitrag zum Thema Geburtsplanung nachlesen.
Als dann der errechnete Entbindungstermin erreicht war und ich wusste, dass die Ärzte so langsam ungeduldig wurden, fragte ich mich plötzlich nicht mehr, wie es wohl werden würde, wenn es losgeht, sondern ich stellte mir eher die Frage, ob es überhaupt irgendwann losgehen würde?
Ja, sicherlich. Irgendwann kommen alle Kinder zur Welt – aber würde Elfi sich entscheiden, in der Zeit zur Welt zur kommen, die die Ärzte uns noch gaben?

Zugegeben, ich wurde etwas nervös, mit jedem Tag, der verstrich. Doch ich wusste auch, Gelassenheit, Entspannung und eine gewisse Portion Vertrauen in meinen Körper und mein Baby waren der Schlüssel für alles, was kommen sollte. Also sprach ich in diesen Tagen immer wieder zu mir und Elfi. „Ich lasse alles los. Allen Druck, alle Ängste, alle Sorgen. Und ich weiß, es wird bald losgehen.“ Diesen Satz sagte ich mir jedes Mal, wenn die Zweifel wieder meinen Kopf betraten. Und ich glaube, es half. Ich habe es irgendwie verinnerlicht, je häufiger ich es zu mir sagte.

Drei Tage über Termin, an einem Freitagabend, wollte Oli im kleinsten Kreis seinen Geburtstag nachfeiern. Ich dachte mir, dass es eine gute Ablenkung sei, wenn bis dahin eh noch nichts passiert ist. Und das war es auch.
Meine Mama hatte nachmittags die Kinder abgeholt, sie sollten eine Nacht bei ihr schlafen, damit ich mich etwas ausruhen konnte. Ich war noch eine größere Runde spazieren gegangen und legte mich danach in die Badewanne. Als die Gäste kamen, unterhielten wir uns gut, ich musste allerdings immer mal wieder innehalten, weil ich sehr unangenehme Magendarmkrämpfe bekam. Sie waren wirklich als solches zu empfinden und sie waren dauerhaft, nicht wiederkehrend. Irgendetwas schien es aber dennoch gewesen zu sein, denn nachdem wir schon im Bett waren, musste ich gegen 1 Uhr nachts zur Toilette – dort platzte mir die Fruchtblase!

Nun stand ich dort, im Badezimmer und konnte irgendwie nicht glauben, was da gerade passierte. Vor Aufregung fing ich an zu zittern, denn plötzlich realisierte ich, dass es losging, dass es wirklich von alleine losging.
Ich weckte Oli und wir fuhren mit Sack und Pack ins Krankenhaus. „Das kann doch wohl nicht sein, dass es ernsthaft jetzt losgeht, wo die Kinder nicht da sind?!“ sagte ich zu Oli im Auto, ich war immer noch völlig überwältigt von der Situation und dachte vielleicht auch, ich würde träumen.
Im Auto und auch dann bei der ersten Aufnahme im Kreißsaal hatte ich gleich regelmäßig Wehen, das CTG schrieb fleißig mit. Sie waren aber noch gut auszuhalten und kamen etwa alle 6 Minuten. Wir bekamen erstmal ein Zimmer und sollten wiederkommen, wenn es stärker werden würde. So hatte ich Wehen bis zum Samstagmorgen und den ganzen Samstag über. Leider mussten wir feststellen, dass diese nicht unbedingt in kürzeren Abständen kamen, sondern eher in Häufigkeit und Intensität nachließen. Am frühen Abend kamen die Wehen nur noch alle 30-45 Minuten und ich verlor die Hoffnung. Ich wusste ja, eine Einleitung oder ähnliches war nicht möglich, also würde ich letztendlich im Kaiserschnitt landen, wenn die Wehen nicht wiederkamen.

Um 17 Uhr sollten wir uns wieder unten im Kreißsaal einfinden, damit ich die Antibiose bekam, wegen der geplatzten Fruchtblase. Immerhin waren seit dem etwa 16 Stunden vergangen. Als wir unten ankamen stand sie da, meine Hebamme der Rettung!
Ich ging ja während der Schwangerschaft ins Krankenhaus zu einer Hebamme zur Akupunktur. Sie war diejenige, die mich auch immer bestärkte, meinen Wunsch einer spontanen Geburt weiter zu verfolgen. Und nun hatte sie Dienst. Ich war unglaublich erleichtert.
Gleich darauf klagte ich ihr mein Leid. Sie war die Ruhe selbst, hörte sich alles an und sagte: „Annika, du hast schon so viel geschafft. Sieh doch mal, wie viel du schon erlebt hast. Dir ist die Fruchtblase geplatzt, du hast Wehen erlebt… und wenn es jetzt ein Kaiserschnitt werden sollte, dann ist es eben so. Egal wie, du wirst das schaffen!“ Ihre Worte wirkten beruhigend auf mich und ich entspannte wieder etwas. Dann akupunktierte sie mich erneut und versuchte am Ende mit einer Eipollösung nochmal etwas in Gang zu bringen.
Tja, und plötzlich, zurück auf dem Zimmer, hatte ich alle 5 Minuten Wehen. Gegen 22 Uhr schickte ich Oli nach Hause, das würde alles ja trotzdem noch dauern und dann konnte wenigstens er ein wenig schlafen. Ich blieb auf dem Zimmer und versuchte zu ruhen, bemerkte aber gegen 0 Uhr, dass ich nun alle 2-3 Minuten aufstehen musste, um die Wehen zu veratmen, die mittlerweile auch sehr stark waren.

Ich ging runter in den Kreißsaal, nach dem Schichtwechsel kam wieder eine sehr nette Hebamme zu mir. Ich wollte in die Badewanne, also bekam ich einen Kreißsaal und die Hebamme ließ mir ein Bad ein mit gut riechenden Ölen und setzte sich zu mir. In der Wanne bemerkte ich schnell, dass die Wehen dort kaum mehr auszuhalten waren, sie wurden immer intensiver. Also wieder raus aus der Wanne.
Gegen 2 Uhr wollte ich da nicht mehr alleine durch, also rief ich Oli an, er solle bitte wiederkommen. Ich glaube, es dauerte fast eine Stunde, bis er wieder da war, mir kam es vor wie 5 Minuten.

Die Nacht war sehr intensiv, am nächsten Morgen kam ich so langsam an meine Grenzen. Nun waren etwa 32 Stunden seit Blasensprung, mit Wehen, vergangen und ich war voller Hoffnung, dass bald etwas passieren würde. Der Befund am Morgen: Muttermund 4-5cm geöffnet. Ich war kurz davor zu resignieren. Ich dachte mir, wenn ich nun nochmal 12 Stunden für die anderen 5cm brauche, dann steig ich hier jetzt aus, dann bin ich definitiv raus! 🙂

Schichtwechsel, neue Hebamme. Sie war ebenfalls toll und nachdem ich auch ihr sehr überzeugend mitteilte, dass ich gleich gehen würde, weil ich keine Kraft mehr hätte, ging sie raus, um mit der Oberärztin zu sprechen.
Nach einiger Zeit kam sie wieder und teilte mir mit, dass ich eine PDA haben dürfte, wenn ich eine wollte. Trotz meiner Kaiserschnittnarbe würden sie es machen. Ich war total verdutzt über die Information, damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Ich stimmte erleichtert zu.
Ja, vorher habe ich gesagt, dass ich keine PDA haben werde. Das lag aber wohl eher daran, dass ich dachte, ich könnte keine bekommen. Und vielleicht hatte ich auch ein wenig Angst, sie könnte die Wehen abschwächen und der Geburt im Wege stehen.
Nun sage ich euch, die PDA hat mir den Popo gerettet und es war der Himmel auf Erden. Dank der PDA schlief ich an dem Sonntagvormittag das erste Mal seit Freitagnacht wieder. Für zwei Stunden. Und ihr glaubt es nicht, nach dem Schlaf war der Muttermund vollständig geöffnet. Ich konnte es kaum glauben, hatte ich diese ganze Phase doch komplett „verschlafen“. Ich war sehr dankbar, aber nur so lange, bis ich plötzlich einen enormen Druck nach unten verspürte – hallo Presswehen!

Gefühlt ging dann alles sehr schnell, auch wenn es doch noch etwa zwei Stunden dauerte. Ich habe alle meine Kräfte dort gelassen und dank der Hebamme, die wirklich in jedem Moment die richtigen Ratschläge hatte, konnte ich auch alles geben.

Um 13.56 Uhr wurde Elfi geboren und ab diesem Moment war alles andere egal. Ich war sprachlos und konnte wirklich nicht begreifen, dass das passiert war. Erst die anerkennenden Worte der Ärzte und Hebammen später im Kreißsaal ließen mich realisieren, dass es tatsächlich kein Kaiserschnitt war. Die Hebamme sagte, ich wäre die ganze Zeit bei mir gewesen und man hätte mir angesehen, wie sehr ich diese Geburt wollte. Ich hätte das ganz toll gemacht. Das ging natürlich runter wie Butter!
Ich war so dankbar und bin es heute noch. Ich werde es immer sein.
Nun habe ich den Vergleich Kaiserschnitt und spontane Geburt. Und hier kann ich nur für mich sprechen, aber jede einzelne Wehe hat sich gelohnt und ich würde diese Erfahrung immer wieder machen. Wünsche können wirklich in Erfüllung gehen, ich habe es erlebt.

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Schwangerschaft

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