Ein geplanter Kaiserschnitt in 7 Wochen. Geburtsvorbereitungen und mehr.

Fotos von: ohhlea (Werbung)

Eine Geburt planen. Dieser Satz könnte widersprüchlicher nicht sein. Und obwohl jede Geburt anders, jede Frau und jeder Körper ganz individuell ist und das eine Geburt ebenso wenig planbar macht, hat dieser Satz seinen Sinn.

Wenn ich meine Geburt „plane“, dann bin ich zum Glück nicht so naiv, dass ich denke, ich könnte vorhersehen, was passieren wird und was ich in genau jenem Moment will. Ich habe ja schließlich noch nie eine spontane Geburt erlebt und keinerlei Erfahrungen, wie mein Körper mit dieser Situation umgeht. Ich bin quasi ein Laie.
Obwohl oder eben weil es meine erste spontane Geburt sein wird, möchte ich mich auseinandersetzen mit dem, was auf mich zukommt und ich möchte mir darüber Gedanken machen, was ich mir wünsche. Das ist keinesfalls verwerflich.

Der Grundstein, auf dem alle Ideen & Vorstellungen aufbauen, ist ebenfalls der wichtigste Gedanke: Nur ich werde dieses Kind gebären, mein Körper wird das zusammen mit meiner Willenskraft meistern und er ist dafür geschaffen, dies zu tun.

Gehe ich von diesem Grundgedanken aus, klingt es ganz logisch und einfach. In der Umsetzung ist das nicht immer so, das weiß ich. Aber dennoch ist das Vertrauen in meinen Körper eine wichtige Voraussetzung für das, was da kommt. Wäre ich voller Angst und Zweifel vor der unbekannten Situation, dann würde das einer spontanen, selbstbestimmten Geburt defintiv im Wege stehen.
In meinem Fall spielt allerdings nicht nur das Vertrauen in mich und meinen Körper eine wichtige Rolle, nein, leider haben auch andere hier etwas zu sagen.
Mit meinen vorherigen zwei Kaiserschnitten bin ich auf den ersten Blick nicht die perfekte Kandidatin für eine komplikationsarme, spontane Geburt. Möchte man meinen. Meine Kaiserschnittnarbe in der Gebärmutter stellt eine natürliche Sollbruchstelle dar, die zwar in den meisten Fällen keinerlei Probleme macht, die aber dennoch einfach da ist und nicht ignoriert werden kann. Aus diesem Grund ist eine Geburt außerhalb einer Klinik für mich auch keine Option. Ich möchte diese spontane Geburt sehr, aber für den Fall der Fälle brauche ich die Sicherheit im Hintergrund, falls etwas nicht rund läuft. Und da bin ich in einer Klinik mit OP-Saal und Neonatologie einfach am besten aufgehoben.
Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass ich diese Klinik mit im Boot haben muss. Logisch. Die Ärzte und Hebammen dort müssen mich in meinem Wunsch unterstützen.

Der Titel dieses Beitrags sagt es bereits. Der wohl rentabelste und vermeintlich unkomplizierteste Weg für viele wäre der geplante Kaiserschnitt, der in der Regel eine Woche vor Entbindungstermin stattfindet. Hierbei würde es keine Wehentätigkeit vorab geben, es ist planbar, relativ vorhersehbar und somit für viele „sicher“.
Diese Variante ist für mich jedoch keine Option, außer natürlich, es würde vorab eine absolute Kontraindikation bestehen, das heißt, ein Faktor, der gegen die spontane Entbindung spricht.
In meinem Fall wäre das eine vorzeitige Uterusruptur (Riss der Narbe) oder eine Plazenta praevia totalis, eine Plazenta, die vor dem Muttermund liegt und somit eine spontane Geburt nicht möglich macht. Viele andere Indikationen, wie ein geschätzt großes Kind, eine Beckenendlage oder ein zeitweise stattfindener Geburtsstillstand sind alles keine absoluten Kontraindikationen für eine spontane Geburt.

Diese Fakten zu kennen, hilft mir bereits, selbstsicherer zu werden und um mit der ein oder anderen mögliche Situation besser umzugehen.

Wie bereite ich mich sonst noch vor?

Erstmal musste ich mir bewusst darüber werden, was ich überhaupt will.
Mir war relativ früh klar, dass mir das Geburtserlebnis fehlt und ich einen dritten Kaiserschnitt so gut es geht vermeiden möchte. Ich habe zwei erlebt, ich weiß, wie sie sich anfühlten. Nach Wiederholung schreie ich nicht.
Ich wusste auch von Anfang an, dass ich Gegenwind bekommen werde, meinen Wunsch betreffend und dass ich mich davon nicht verunsichern lassen darf. Außerdem muss ich jetzt und bis zur Geburt lernen, meine Wünsche und Bedürfnisse klar zu äußern. Das ist auch ein Thema für sich, wenn man sonst nicht so sicher ist auf dem Gebiet. Im Alltag fällt es mir nicht immer leicht, Dinge einzufordern und meine Wünsche klar zu äußern. Ich sehe das also auch als Chance für mich und mein Leben, nicht nur für die Geburt.
Um mich überhaupt mit dem Thema Geburt nach Kaiserschnitt auseinander zu setzen, las ich das Buch „Meine Wunschgeburt – Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt“. Hier wurden viele Fragen, die ich mir vorab gestellt habe, bereits beantwortet. Allen Mamas da draußen, die ähnliches erlebt haben, möchte ich dieses Buch von Herzen empfehlen.
Für mich ist es wichtig, den „Worst Case“ zu kennen, es hilft mir, die Angst zu verlieren. So weiß ich, was im schlimmsten Falle passieren könnte. Ebenfalls wichtig zu wissen ist, was mit einer Kaiserschnittnarbe im Rahmen der Geburt möglich ist und was nicht. Von einer Einleitung wird zum Beipsiel komplett abgeraten, egal, in welcher Weise sie stattfinden würde. Auch eine PDA unter der Geburt wird häufig kritisch gesehen.

Für eine spontane Geburt nach Kaiserschnitt ist also der Weg einer natürlichen, selbstbestimmten Geburt ein guter. Es sollte wenig Intervention stattfinden, auch das ist ein wichtiger Punkt. Dafür müssen mein Partner und ich sorgen, wir müssen die Ruhe und Intimität unter der Geburt einfordern. Nur so ist es realistisch, dass ich bei mir und meinem Kind bleiben kann und meinem Körper die Entspannung und Ruhe gebe, die er braucht, um das Kind zu gebären. An dieser Stelle könnte ich jetzt ewig ins Detail gehen, aber dazu gibt es zum Glück genügend Literatur.

Und um mich nicht als Schwangere mit Aussicht auf eine komplizierte Geburt zu sehen, wollte ich mich auch von dem Punkt aus vorbereiten, dass ich ja theoretisch eine Erstgebärende bin. Völlig frei von vorherigen Indikationen und völlig offen für das, was kommt. Aus diesem Grund setze ich mich ebenfalls mit der „Hypnobirthing“ Methode auseinander, einfach, um einen Ansatz zu finden, der mir hilft, unter der Geburt bei mir zu bleiben und die richtigen Handgriffe zu kennen, um dorthin zu gelangen. Viele Mamas mit Kaiserschnitterfahrung berichten, dass ihnen diese Methode zu einer anschließenden, erfolgreichen spontanen Geburt verholfen hat.

Es soll wohl einmal gesagt sein, dass ich nicht auf Teufel komm raus an meiner Idee festhalten werde. Ich werde weder das Kind noch mich zu irgendeinem Zeitpunkt in eine lebensgefährliche Situation bringen wollen und werde den Ärzten vertrauen, wenn sie mir von etwas abraten. Dennoch sollten alle Mamas wissen, die schon mal einen Kaiserschnitt hatten und sich nun eine spontane Geburt wünschen, dass dieser Zustand keinesfalls automatisch bedeutet, dass etwas passieren muss. Im Gegenteil, das Risiko, dass etwas passiert, ist nach einem Kaiserschnitt wirklich gering und auch nach einem zweiten nicht deutlich erhöht. Für mich würde ein dritter Kaiserschnitt übrigens ebenso viele Risiken birgen, wie eine spontante Geburt sie mit sich bringen würde. Also steht es 0:0, könnte man so sagen.

Ihr seht, ich versuche viel Zeit mit dieser Thematik zu verbringen und mich diesmal wirklich gut vorzubereiten. Wie es am Ende werden wird? Das kann ich euch nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich voller guter Gedanken und Hoffnung bin und mich sehr freue auf das, was kommt. Und ich möchte euch motivieren, geht den Weg mit mir!

Eure Annika

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Schwangerschaft

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