Unser drittes Baby. Kinderwunsch und Erfüllung.

Mit zittrigen Beinen sitze ich auf dem Klodeckel im Bad in unserem Ferienhaus auf Ameland. Marlene sitzt neben mir auf dem Boden und nimmt die komplette Toilettenpapierrolle auseinander, zerfetzt jedes einzelne Papier in klitzekleine Stücke. Doch ich bemerke es kaum, denn ich starre mit einem Puls von 180 auf das kleine, digitale Feld eines Schwangerschaftstests. Ich kann kaum atmen, mir ist schwindelig, tausende Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Im letzten halben Jahr hatte ich bereits des Öfteren auf genau jenen Test gestarrt. Nach wenigen Minuten der Hoffnung zeigte er immer „Nicht schwanger“ an. Die Ernüchterung war groß und ich erstmal am Boden zerstört. Zuvor hatte ich nämlich einige dieser billigen Frühtests gemacht, die mir tatsächlich in mehreren Monaten einen zweiten Strich anzeigten. Dennoch blieb der digitale Test immer negativ und leicht verspätet kam meine Periode.

So sehr wünschte ich mir dieses dritte Kind. Wir sind unglaublich dankbar, zwei tolle Kinder zu haben, aber der Wunsch nach einem dritten war dennoch da. In dieser Kinderwunschzeit begann ich jedoch gezwungener Maßen, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Mit der Frage, warum ich dieses Kind so unbedingt und jetzt wollte. Ich bin im Nachhinein dankbar für diese Zeit und vertraue darauf, dass mein Körper wusste, dass der richtige Zeitpunkt für ein drittes Kind noch nicht da war.

Zurück ins Ferienhaus. Ich starre immer noch auf diese blinkende Sanduhr auf dem Test. Fragen gehen mir durch den Kopf: „Warum habe ich diesen Test überhaupt gekauft? Ich wollte dieses Mal doch keinen kaufen!“ – „Bestimmt steht dort gleich wieder ‚Nicht schwanger‘, was habe ich mir nur dabei gedacht, einen Test zu machen?“ – „Wie werde ich mich gleich fühlen?“ – „Ich habe Angst…“
Und während mir noch viele dieser Fragen im Kopf herum schwirren, erscheint auf dem Testfeld plötzlich das Wort „zwanger“. Ja, „zwanger“, denn wir waren ja auf Ameland und hatten in der Drogerie einen niederländischen Schwangerschaftstest gekauft. Doch in diesem Moment fällt mir das nicht mal mehr auf. Ich sitze geschockt immer noch auf dem Klodeckel und starre auf den Test. „Oh. Mein. Gott.“ sind die einzigen Worte, die mir über die Lippen kommen. In meinem Kopf ist ein Feuerwerk der Emotionen. Und dann schreie ich, vor Freude. Ich quietsche schon fast. Ich sehe Marlene an, die in einem Berg von Klopapierfetzen sitzt und mich unschuldig ansieht. „Marlene, das glaubst du nicht!“ sage ich, stehe auf und sehe in den Spiegel. Ich kann es nicht glauben. Dieser Test ist positiv! Ich bin „zwanger“.

Ich quietsche noch das ein oder andere Mal vor mich hin, verstecke den Test in meinem Kulturbeutel, ziehe Marlene und mich an und radele mit ihr zu den Männern an den Strand. Matti spielt bereits im Sand und Oli sieht ihm dabei zu. Die Kinder haben Spaß. Ich sage erstmal nichts.
Nach einer Weile fahren wir nach Hause, es ist spät und kalt geworden und die Kinder haben Hunger. Während die anderen unten sitzen, laufe ich hoch und hole den Test. Wieder unten drücke ich Matti den Test in die Hand und sage zu ihm: „Matti, kannst du das dem Papa bringen?“ Matti stürmt sofort los und drückt Oli den Test in die Hand.
„Wie jetzt, echt?“ fragt Oli mich und sieht verwundert erneut auf den Test. „Sieht so aus.“ sage ich und grinse. Oli grinst auch. „Warten wir erstmal ab.“ Typisch mein Mann. Lieber pragmatisch als romantisch.


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