Und was kommt jetzt? Über erfüllte Kinderheitsträume, Meilensteine und Schwangerschaftstests.

Ich war gerade sieben Jahre alt, als meine Patentante heiratete. Sie heiratete auf einem wunderschönen Schloss, mit einem Oldtimer als Hochzeitsauto und die ganze Familie und viele Freunde waren anwesend. Ich war Blumenmädchen, durfte ein Kleid mit Puffärmeln und einem auffallenden Blumenmuster darauf tragen und Mama hatte mir rote Lackschuhe gekauft. Man, war ich stolz.

Ab diesem besonderen Tag wusste ich, das möchte ich auch mal erleben. Heiraten. Es war ein typischer Mädchentraum und ich war mittendrin. Natürlich war das Thema dann erstmal lange nicht aktuell. Bei meinen ersten festen Freunden, die ich so hatte, hab ich mir schon vorgestellt, wie es mal wäre, zu heiraten. Meistens war die Beziehung jedoch so schnell wieder vorbei, dass ich in der gedanklichen Planung nicht mal mehr beim Sitzplan für die Hochzeit angekommen war.

Dann, mit 26 Jahren, lernte ich den Mann kennen, den ich geheiratet habe. Plötzlich ergab das alles für mich einen Sinn und ich war so weit, dass ich in meinen Kinderheitstraum zurückversetzt wurde.

Ich war unglaublich glücklich und sah mein ganzes Leben mit all diesen tollen Meilensteinen vor mir. Heiratsantrag, Hochzeit, schwanger sein, Mama werden, nochmal Mama werden, vielleicht nochmal Mama werden und ein Haus bauen. Wie häufig hatte ich mir ausgemalt, wie es mal sein würde, wenn diese Träume in Erfüllung gehen. Zu diesem Zeitpunkt schienen sie zwar noch in weiter Ferner, dennoch waren sie unglaublich begehrenswert.

Auf den Moment, wo das alles noch in weiter Ferne schien, folgten einige sehr intensive Jahre. Jahre, voller Emotionen, Liebe und Veränderungen. Ja, mein ganzes Leben hat sich verändert.
Ich habe in den letzten vier Jahren all das erlebt, was ich mir als Mädchen immer erträumt hatte. Es war wie ein riesiger Rausch voller Höhen und Tiefen. Ich bin unglaublich glücklich, sagen zu können, dass einige meiner größten Wünsche tatsächlch in Erfüllung gegangen sind.

Viele Menschen, und da zähle ich mich dazu, brauchen diesen Rausch. Brauchen Projekte, Trubel, Veränderung. Das führt bei mir dazu, dass ich irgendwie immer im Brass bin, immer etwas zu tun habe. Außerdem fühle ich mich gebraucht, aber auch häufig gestresst. Dann beschwere ich mich über diesen Stress, wenn jemand fragt, wie es mir gerade so geht. Dabei bemerke ich gar nicht, dass ich möglicherweise in ein Loch fallen würde, wenn plötzlich all diese Projekte abgechlossen sind, wenn all der „Stress“ vorbei wäre. Und mit Projekten meine ich in diesem Fall einen Hauskauf, Umbau, Kita-Eingewöhnung oder Jobsuche. Aber, wenn ich ehrlich zu mir bin, war auch unsere Hochzeit, die Planung und der Tag an sich, ein Projekt. Und auch eine Schwangerschaft & die Geburt könnte man als ein Projekt betrachten. Projekt scheint in diesem Fall jedoch nicht das richtige Wort. Es ist eben ein Meilenstein im Leben. Ein Wunsch, den man hat und der dann in Erfüllung geht.

Und jetzt kommt der Punkt, den ihr womöglich schon erahnt und den ich selbst nur widerwillig ausschreiben mag: Was kommt danach?
Was kommt nach all den erfüllten Kindheitswünschen, nach den Meilensteinen? Denn seien wir mal ehrlich, diese Etappen haben bis heute den Sinn meines Lebens ausgemacht.
Bist du älter, hast das alles hinter dir und standest bereits vor Jahren an diesem Punkt, magst du mich wohl für sehr naiv halten. Auch wenn du dir im Leben vielleicht ganz andere Meilensteine gesetzt hast, als ich. Auch dann wirst du meinen aktuellen Standpunkt vielleicht gar nicht vertreten können.

Doch nun sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und bin an diesem Punkt angelangt. Ich wusste, dass er irgendwann kommen würde, ganz insgeheim war es mir immer klar. Doch ich habe diesen Punkt weit vor mir hergeschoben, ich dachte, mit diesem oder jenem Projekt, mit einer neuen Renovierung, mit einer neuen Idee, könnte ich das verdrängen.

Ja, ich wusste auch, mit einer erneuten Schwangerschaft, einem dritten Kind, würde ich mir diese Frage vorerst nicht stellen müssen.

Sobald aber kein Projekt, keine greifbare neue Aufgabe in Sicht ist, muss ich mich gezwungener Maßen einfach mal mit mir selbst auseinandersetzen. Wer bin ich denn eigentlich hinter der Ehefrau und Mama? Wer war ich vorher? Und wo ist sie geblieben?
Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich gar nicht mehr diejenige sein möchte, die ich vorher war. Ich kann auch gar nicht, ich habe mich einfach weiterentwickelt. Das heißt, ich bin eine neue Version von mir. Oder besser, ich bin einfach ich. Nur heute.

Ich weiß, der Punkt ist gekommen, an dem es wieder mehr um mich geht. Wenn auch eher unfreiwillig, denn zu meinen liebsten Meilensteinen zählte auch noch einer: Ein drittes Kind. Schon immer hatte ich den Wunsch nach drei Kindern, auch wenn nach Zweien erstmal klar war, dass wir uns eingewöhnen wollen und schauen möchten, wie wir so klarkommen.
Und doch, wir kommen gut klar. Unsere beiden Kinder sind toll und ich weiß, wir machen unsere Sache als Eltern gut.
Das dritte Kind muss nicht jetzt sofort sein, aber ich fand es immer toll, Kinder zu haben, deren Altersunterschied nicht zu groß ist. Und irgendwann möchte ich auch einfach „durch“ sein und ein Leben genießen, mit größeren, selbstständigeren Kindern. Also war für mich klar, wenn drei Kinder, dann am allerliebsten demnächst.

Sowas sucht man sich aber nunmal nicht aus. Kinder bekommen ist und bleibt eines der größten Wunder. Es ist alles andere als selbstverständlich und ich weiß, dass ich sehr dankbar sein darf über die beiden Kinder, die ich habe.
Das bin ich auch. Mehr als das und ich weiß, dass wir auch zu viert ein sehr glückliches Leben führen werden. Das tun wir ja bereits. Dennoch darf ich diesen Kinderwunsch ja haben. Er hat ja trotzdem seine Daseinsberechtigung.
Diesmal ist es bei uns so, dass es nicht sofort klappt. Da hatten wir bei unseren Kindern bis jetzt sehr viel Glück. Es klappte gleich in den ersten Monaten.
Diesmal nicht. Vielleicht schlafe ich zu wenig, vielleicht habe ich zu viel Stress mit den beiden Kindern, vielleicht soll es aber gerade auch einfach noch nicht sein. Warum auch immer es nicht klappt, ich habe gelernt darauf zu vertrauen, dass es wohl seinen Sinn haben wird.

Zugegeben, nach einigen Monaten der Kinderwunschzeit, in denen ich nun mehrfach frühe Abgänge hatte, bin ich ein wenig desillusioniert.
Und ja, ich habe mich dazu entschieden, dass nicht mehr mit mir im stillen Kämmerlein auszumachen, sondern diese Phase des Lebens mit euch zu teilen. Denn auch das findet statt, im Hier und Jetzt. Es gehört dazu.

Diese Situation lässt mich kurzzeitig erstarren, alles, was ich mir ausgemalt hatte, findet erstmal nicht statt und so frage ich mich nun: Was kommt jetzt? Wie geht es weiter, wenn ich nicht schwanger werde, wenn sich dieser Wunsch nicht erfüllt? Oder erstmal nicht erfüllt?
Ich glaube, es stehen viel mehr von euch auch an diesem Punkt, als ich denke. Und es haben schon so viele an diesem Punkt gestanden und ihn auch überwunden.

Sicherlich werde ich meine Aufgabe im Leben finden, zusätzlich zum Mamasein. Denn ich weiß, ich bin auch jetzt schon sehr sehr glücklich sagen zu dürfen, dass so viele Wünsche in Erfüllung gegangen sind und ich bin mir sicher, es werden neue dazu kommen von denen ich aktuell noch gar nicht weiß, dass ich sie mir mal wünschen werde.

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Mom's Life

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